Frutillar, Chile….beziehungsweise, die Reise dorthin

3. September 2012

Sonntag, 2. September

Für die Reise von Rio de Janeiro nach Frutillar mussten wir um 2.30 aufstehen. Ein paar Kollegen hatten sogar  durchgemacht, weil sie fanden, dass es schlimmer ist, nach zu wenig Schlaf aufzustehen, als sich gar nicht erst hin zu legen.

Unserem Ablaufplan konnte man eigentlich schon vorher entnehmen, dass der Tag kein Spaß wird und das hat sich ganz genau bestätigt. Drei mal fliegen, ungefrühstückt vor geschlossenen Cafes ausharren, etliche Sicherheits- und Zollkontrollen passieren, im Flugzeug Puppenstuben-Rationen zum Essen bekommen, im Flughafen für einen Kaffee mit Croissant soviel ausgeben, wie für ein Paar Schuhe………..das geht allen irgendwann gehörig auf die Nerven. Und dann passiert es uns Viel-Reisenden auch noch, dass wir die Zollbestimmungen auf die leichte Schulter nehmen und lernen: Chile ist streng mit seinen Einfuhrbestimmungen!

Für eine Kollegin hat das bedeutet, dass ein süßer Schnüffelhund auf dem Laufband ihren Koffer wegen einer Banane aussortiert hat. Und sie hatte noch Glück und konnte ihren Einfuhrzettel korrigieren in „ Mitführen verbotener Lebensmittel“.

Zeitaufwendiger war es für die beiden Kollegen, die nicht erschnüffelt wurden mit ihrem gefährlichen und von ihnen natürlich nur vergessenen Schmuggel-Gut: Einmal war es ein Apfel, das andere Mal ein Apfel und eine Marakuja und sie wurden erst bei der Röntgenkontrolle rausgefischt. Das war dann schon Dokumentenfälschung und erst 7 ausgefüllte Formulare und eine ausführliche Befragung später wurden die vorher gewogenen, verdächtigen Objekte vor unseren Augen mit einer armlangen Machete zweigeteilt und daraufhin weggeschmissen. Der Clou daran: einer der Äpfel war aus Chile!

Also waren wir ziemlich froh, als wir endlich im Hotel angekommen sind. Der Regen hat gar nicht gestört, es war nicht mal so kalt wie erwartet und begeistert waren wir von der würzig-frischen, kühlen Seeluft. Das Hotel mit dem Namen „ Salzburger“ sah ganz genau so aus und überhaupt konnten wir erstmal nicht ausmachen, was den Ort von einem See in Österreich unterscheidet. Man ist ja bei Reisen mit seinen Sinnen immer auf der Suche nach dem Anderen, dem Besonderen, um daraus ein Bild von einem bisher unbekannten Ort oder Land zu formen. Das war oder ist bisher in Chile gar nicht so leicht. Im 19. Jahrhundert sind viele Deutsche und Österreicher nach Chile ausgewandert und entsprechend kann man die Bauweise wieder erkennen, die Straßennamen zuordnen und verstehen, wieso es nicht nur einen „Kuchen- und Tortenladen“ gibt, sondern gleich drei an der Uferpromenade.

Nach den 14 Stunden Reise sind wir alle ins hoteleigene Restaurant gestolpert und dort haben  einen zum wegbrüllen lustigen Abend verbracht. Es war eine Mischung aus Situations-Komik und der Tatsache, dass viele von uns zu hysterischen Lachanfällen neigen, wenn sie besonders fertig sind. Geholfen hat dabei, dass wir via Beamer Videos von Charly Chaplin über André Rieu bis zu Igudesmann geschaut haben, mit leckerem Essen versorgt wurden und sowohl das hausgebraute Bier, als auch den Weinkeller ordentlich durchgetestet haben.

Auf Reisen ist es ja oft so, dass man sich nicht unbedingt für jedes Essen mit allen Kollegen verabredet, weil es zwischendurch auch mal ganz schön ist, alleine zu sein. Aber dieser schöne Abend bringt uns immer wieder zum Schmunzeln und wohl jeder freut sich, dass die Konzertreisen neben extremer Anstrengung auch ganz besondere Momente mit den Kollegen mit  sich bringen.

Der Konzertsaal  in Frutillar ist wirklich ein ganz besonderer. Er ist in den See gebaut und ein architektonisch sehr schöner Bau, ganz mit Holz verkleidet. Auch innen ist er auf dem neusten Stand und er hatte auf jeden Fall die schönste und dankbarste Akustik der bisherigen Reise. Gefreut hat uns, dass so viele junge Leute im Konzert waren. Danach hatte die Begeisterung am Künstlerausgang schon fast hysterische Ausmaße und manche Kollegen wurden so oft fotografiert, dass die Wartenden im Bus schon kalte Ohren bekommen haben.

Der heutige Tag hat uns dann mit klarer Sicht überrascht und endlich haben sich die Vulkane durch den Nebel und das Morgenrot geschält. Wunderschön! Ich schätze mal, dass wir zu 18t ungefähr 1000 Fotos geschossen haben. Das lag auch daran, dass sich die Stimmung durch die aufgehende Sonne wirklich im Minutentakt verändert hat und es war wirklich ein ganz großartiges Spektakel.

Die dann folgende Reise war für uns wie ein kleiner Spaziergang: nur EIN Flug von 2 Stunden und schwupps  waren wir in Santiago! Heute also ein Tag, an dem man von den Optionen „Ausruhen“, „ Essen“, „Üben“ „Sport machen“ und „Duschen“ tatsächlich allen nachgehen kann!

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