Wuhan

1. November 2014

Bereits bei unserer letzten Chinatournee waren wir zu Gast in Wuhan. Zahlreiche Erzählungen von abenteuerlichen Märkten und chaotischen Verhältnissen mäßigten die Vorfreude der Reisegruppe. Mit Überquerung der Stadtgrenze fing es dann auch noch an zu regnen, sodass sich die Stadtsilhouette Ton in Ton mit dem grauen Himmel präsentierte. Wuhan liegt am Zusammenfluss des mächtigen Jangtsekiang und des Han-Flusses, der zahlreiche Seen und Nebenarme im ganzen Stadtgebiet bildet. Nicht zuletzt dieser feuchten Tatsache ist es geschuldet, dass unser Cembalo vor Ort in wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leim ging. Wie bereits erwähnt sind Cembali in China Ausnahmeerscheinungen. Trotzdem leisten sich einige Konzerthäuser ein eigenes Exemplar, wenngleich sie so gut wie nie gespielt werden. Gleiches Schicksal ereilte auch unser Cembalo, was jahrelang im Instrumentenlager sein Schattendasein pflichtete. Dieser vernachlässigte Zustand gepaart mit der hohen Luftfeuchtigkeit führte dazu, dass das sehr sensible Instrument mit der Zeit diverse Schäden bekam, die unser Cembalist Gerald Hambitzer dann binnen kürzester Zeit beheben musste. So hieß es für den Vortrupp gleich nach der Ankunft ohne Umweg über das Hotelzimmer direkt zur Konzerthalle zu fahren um Schadensbegrenzung zu betreiben. Man stelle sich nun folgende Situation vor: Man weiß, dass man in fünf Stunden ein höchst anspruchsvolles Solokonzert zu spielen hat und hat keine Ahnung, welche Überraschung einen vor Ort erwartet – da braucht es wirklich Nerven aus Stahl. Diese hat unser Cembalist auch allemal bewiesen und trotz widriger Umstände ein fabelhaftes Konzert gespielt.

In diesem Zusammenhang sei auch einmal auf die Odysee unseres Kontrabassisten Jean-Michel-Forest hingewiesen. Da die Reise mit einem eigenen Instrument in China viel zu umständlich wäre – schon alleine aus Zollgründen – wurde an jedem der elf Konzertorte ein Kontrabass aus dem Bestand der Konzerthäuser ausgeliehen. Das heißt jedes Mal die modernen Saiten abspannen, die alten Saiten aufziehen und nach dem Konzert die selbe Prozedur in umgekehrter Reihenfolge. In Wuhan war man gleich so begeistert von der Fingerfertigkeit, dass man ihm gleich noch einen weiteren Kontrabass zur Reparatur auf die Bühne brachte.

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