China meets Bach III

4. November 2014

Unseren Aufenthalt in Ma’anshan, einer eher unspektakulären Station auf unserer Reise, möchten wir zum Anlass nehmen, um weitere Ergebnisse unserer kulturübergreifenden Feldstudie mit Ihnen zu teilen. Spätestens seit Mendelssohns „Wiederaufführung“ der Matthäuspassion sind die Werke Bachs in Europa nicht mehr von den Spielplänen der Konzertsäle und Festivals wegzudenken. Diesen fast zweihundertjährigen Vorsprung versuchen die Chinesen, wie in so vielen Dingen, binnen kürzester Zeit wett zu machen – uns freut es! Um dieser Besessenheit nach „klassischer Musik“ nachzukommen, schießen derzeit hochmoderne Konzerthallen im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden. Was sich bei uns binnen Generationen entwickelt hat, wird hier in China in nur wenigen Jahren nachgeholt, kein Wunder, dass da so mancher Chinese überfordert ist wenn plötzlich westliche Konzertmanieren auf chinesische Freizeitattitüden stoßen. Da wundert es auch nicht, wenn das Konzerthauspersonal mit „No Drink and Food“ – oder „No Applause during the Movements“- Schildern durch die Zuschauerreihen patrouilliert. Eine lehrreiche Hilfestellung gibt auch unser Moderator und Dolmetscher Peter Wiedehage, der sich immer wieder aufs neue auf den Wissenshorizont des Publikums einstellt und in kurzweiligen Moderationen die Welt der Alten Musik erklärt. Dieser Wissenvorsprung macht sich dann spätestens beim anschließenden CD-Verkauf bemerkbar, wenn man explizit auf die Brandenburgischen Konzerte angesprochen wird und der kaufwillige Chinese die CD mit einem „aaaah, Bache“ von allen Seiten mustert. Wer das zuvor Gelesene nun als hochnäsig empfindet, dem muss ich beipflichten – uns würde es beim Besuch einer Pekingoper auch nicht anders gehen!
Worum wir die Chinesen aber allemal beneiden können ist das absolut junge und vor allem sehr neugierige Konzertpublikum. Hier gehört es vor allem bei den wohlhabenden Familien zum guten Ton, die Kinder schon im Vorschulalter mit ins Konzert zu nehmen um zu erleben, was der große Bach noch so alles neben dem wohltemperierten Klavier geschrieben hat.

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