Deidamia im Radio

4. April 2012

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Beteiligten vor, hinter und unter den Kulissen bedanken. Es war eine tolle Zeit in Amsterdam, die uns allen in vielerlei Hinsicht Spass bereitet hat. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehn in der Stadt der Grachten!

Hier noch ein Tipp: Für all diejenigen, die es nicht zu einer der acht Vorstellungen ins Muziektheater Amsterdam geschafft haben gibt es die Möglichkeit, einen Mitschnitt am Ostersamstag, 7. April ab 19 Uhr in Radio 4 zu hören. Den Livestream  findet man unter http://www.radio4.nl/pip-home/ntroperalive/

Was ein Tag! Eine ausverkaufte Matinee im Concertgebouw gefolgt von einer ausverkauften Deidamia-Vorstellung in De Nederlandse Opera. Knapp 3.500 Menschen haben gestern Concerto Köln live in Amsterdam erlebt!

Es ist verblüffend, wie viele Menschen zum Gelingen eines Opernabends hinter der Bühne beitragen. Wie in einem Ameisenhaufen wuseln die verschiedenen Techniker, Requisiteure und Stagehands durcheinander, jeder mit einer Aufgabe, die es bis zu Vorstellungsbeginn im engen Zeitplan zu erfüllen gilt. Mein Tag beginnt meist um die Mittagszeit.  Auf dem Weg zum Orchestergraben muss ich erst einmal das unterirdische Flurlabyrinth mit zahlreichen Stimmkammern und Garderoben passieren. Dazu gehört mittlerweile auch ein kurzer Plausch mit einer netten Näherin, die mir am ersten Aufführungstag nach einem peinlichen Malheur die Hose geflickt hat  –  eben eine echte Theaterfamilie die sich gegenseitig hilft und mit viel Spass bei der Sache ist. So auch meine beiden Helfer im Orchestergraben, Dan und Rink. Da die einzelnen Deidamia-Aufführungen nicht in einem Block gespielt werden, müssen wir vor und nach jeder Vorstellung den Orchestergraben herrichten. Das heißt  die hydraulische Vorbühne absenken, die Tasteninstrumente auf die richtige Position fahren und verschrauben, die Pultleuchten verkabeln, die Kabelwege sichern damit niemand im Dunkeln stolpert, Stühle ausrichten, dass jeder optimal sehen kann und vieles mehr. Heute zeichnet zudem das Fernsehn mit, entsprechend viele Mikrophone mussten noch zusätzlich im engen Orchestergraben Platz finden, eine wirkliche Bastelarbeit. Sobald der letzte Ton verklungen ist, müssen wir dann wieder ran und zügig abbauen, da der Orchestergraben meist schon für den nächsten Spieltag vorbereitet werden muss. Zur Motivation gibt es immer einen frisch gepressten O-Saft – irgendwie muss man das Team ja bei Laune halten, wenn man nach 4 Stunden Oper noch bis Mitternacht aufräumen muss.

Premiere geglückt!

16. März 2012

Der wohl spannendste Moment für alle Beteiligten einer Opernproduktion ist der Erstkontakt mit dem Publikum. Hier zeigt sich, ob die monatelang ausgetüftelte Inszenierung und musikalische Interpretation auch die gewünschte Wirkung zeigt und siehe da: sie hat es! Nach fast genau vier Stunden Deidamia – Szenenapplaus eingeschlossen – ist das Premierenpublikum begeistert von der Darbietung der Künstler. Auch unsere Orchestermusiker und Dirigent Ivor Bolton sind sichtlich erleichtert und freuen sich über die Standing Ovations. Nun geht’s zur verdienten Premierenfeier…

…das perfekte Dinner

14. März 2012

Einen Tag vor der morgigen Premiere heißt es nun noch einmal ausspannen und Amsterdam genießen, sei es beim Shoppen, Museumsbesuch oder einfach nur beim Schlafen. Die meisten unserer Musiker sind in einem Apartment-Hotel nahe der Oper untergebracht und müssen sich selbst verpflegen. So trifft man sie regelmäßig mit Plastiktüten der örtlichen Supermarktkette Albert Heiyn auf Beutezug in der Stadt.

Zum Glück hat jedes Zimmer eine kleine Kochnische, sodass man sich schnell eine Kleinigkeit brutzeln kann. Viele haben auch ganze Kochausrüstungen im Gepäck und erproben sich beim Bekochen der Pultnachbarn ganz im Sinne des „perfekten Dinners“. So kann man gerade zur Mittagszeit eine wahrhafte Geruchsexplosion auf den Hotelfluren erleben, Feueralarm inklusive…


Nun haben wir schon einige Einblicke hinter die Kulissen der Produktion gewährt, aber um was geht es eigentlich in der Oper „Deidamia“ von Georg Friedrich Händel? Hier ein kurzer Abriss:


I
In order to elude the oracle’s prophecy that he shall perish in the Trojan War, Achille’s parents dispatched him as a child to the safety of the court of King Licomede in Sciro. There he grows up disguised as a girl named Pirra. He nevertheless falls in love with Licomede’s daughter Deidamia. Ulisse approaches Licomede to solicit support for the Trojan campaign, and suspects that Achille is hiding in the palace. According to the soothsayer Calchas, the Greeks cannot prevail in Troy without Achille. Licomede denies harbouring the young man.

II
Ulisse courts Deidamia, arousing Achille’s jealousy. During a hunting expedition, Achille proves to be such a good marksman that Ulisse is convinced he has found the one he seeks. He makes provocative advances to ‘Pirra’, to Deidamia’s dismay. But Achille does not fall for the trick.

III
Ulisse devises a new ruse: he offers the ladies at court all manner of gifts, including a splendid set of weapons. Achille cannot resist: he dons the helmet and gives himself away. Trumpets announce the party’s departure for Troy, and Achille announces his willingness to take part in the battle. Deidamia is inconsolable, but she allows Ulisse to marry them. They will never see each other again.

Quelle: http://www.het-muziektheater.nl/en/program/2011-2012/deidamia/

 

 

41 Musiker auf  70 Quadratmetern – da muss man sich mit seinem Pultnachbarn wirklich sehr gut verstehen oder zu größter Kompromissfähigkeit veranlagt sein, um gemeinsam knapp 4 Stunden Händel zu bestreiten. Hinzu kommt das beengende Sicherheitsnetz über dem Orchestergraben, falls ein enthusiastischer Sänger der Bühnenkante zu nahe kommt und in den Abgrund stürzt. Unsere Blechbläser und den Pauker hat es da schon besser getroffen, sie dürfen aus dem Off spielen.

Dieser Arbeitsplatz beweist, dass die Arbeit in einem Opernhaus nicht immer mit Glanz und Glamour zu tun hat. Platz haben wir genug in dieser Unterwelt, dafür müssen wir die meiste Zeit warten. Nur drei kurze Einsätze in einer langen Oper stellen hohe Anforderungen an die Konzentration, denn es fällt nicht immer leicht, nach langen Pausenzeiten wieder voll auf den Punkt konzentriert zu spielen. Immerhin ist die Kantine nah …

Heute stand die erste Bühnenprobe auf dem Programm. Mit viel Mühe und Geschick haben wir es geschafft, alle Musiker samt Instrumenten im Orchestergraben unterzubringen. An dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Stagehands der Oper, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen, allen voran Dein Schmidt (Production and Stage Management)

Zum Glück ist der Orchestergraben nicht ganz versenkt worden, sodass zumindest die erste Reihe des Orchesters das szenische Spiel im Augenwinkel gespannt mitverfolgen kann.

3 Stunden Bahnfahrt und 6 Stunden Probe – der erste Tourneetag in Amsterdam neigt sich langsam dem Ende zu. Mit viel Spielfreude und hochkonzentriert bis zur letzten Minute haben wir zusammen mit den fantastischen Solisten einen Sprint quer durch Händels Deidamia im Probenkeller der Königlichen Oper hingelegt. Sichtlich erschöpft können wir nun endlich die Hotelbetten in unserer neuen Wahlheimat testen.

Making of Deidamia

7. März 2012

Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf unsere Opernproduktion mit Ivor Bolton an der Nederlandse Opera Amsterdam. Wir freuen uns drauf!