Seit Samstag sind wir im Rahmen des „Bodensee-Festivals „ in Süddeutschland unterwegs. Im Gepäck haben wir jedem Menge Stücke, die den Meisten völlig unbekannt sind : es sind Neuausgrabungen von Weinrauch, Schnitzer, Kayser ,Gaelle und Jommelli und sie haben im späten 18. Jahrhundert im Oberschwäbischen gewirkt: Als Benediktiner oder Mönche oder auch Mathematiklehrer. Die hier ausgewählten Chorwerke ( es singt das Orpheus Vokalensemble) sind kleine Schätzchen, von denen man versteht, dass sie nicht den Weg auf die großen Bühnen geschafft haben, die aber eindeutig zu schade für die Schublade sind.
Am Samstag hatten wir nach einer komplikationslos verlaufenen Bahnreise die Generalprobe in Obermarchtal und gestern das erste Konzert in Kloster Weissenau. Etwas aus dem Konzept gebracht hat uns, dass die Kirchen eine Betriebstemperatur zwischen 11 und 13 Grad hatten.
Das führte dazu, dass wir unseren Kleider-Kodex aufweichen mussten, so dass wir diesmal wie aufgeblasenen Astronauten auf der Bühne standen und am liebsten noch Mützen aufgezogen hätten. Eine gewisse Zeit lang kann man die Kälte mit Konzentration ausblenden, aber so ungefähr nach anderthalb Stunden ist Schluss, vor allem, wenn man im Stehen spielt und der Kälte somit eine riesige Angriffsfläche bietet.
Bei einem der Stücke ist eine „Pifa „ dabei und die gründlichen Recherchen haben ergeben, dass es sich dabei um ein oberschwäbisches Hirtenhorn handelt. Es ist ca 3 Meter lang, aus Holz und hat einen sehr warmen Klang. Wegen der Länge liegt der Trichter auf der Höhe der dritten Zuschauerreihe auf einem kleinen, mit Filzkissen versehenem, Höckerchen, während der Spieler mitten im Orchester neben der Orgel steht.
Die Unterbringung in der sagenhaft schönen Landesakademie Ochsenhausen ist ruhig und voller zu entdeckender Kostbarkeiten: So lieferte Jürgen Essl uns heute eine Demonstration der 1735 gebauten und wunderbar erhaltenen Orgel, was aufgrund der vielschichtigen Register zu einem angeregten Gespräch über Stimmtonhöhen und Vibrato und Ausdrucksmöglichkeiten durch Artikulation führte.
Wir freuen uns auf das heutige Konzert in Friedrichshafen !

Antje Engel