Santiago de Chile

5. September 2012

4. September 2012, 23.00 Uhr

Im Teatro Municipal hatten wir die beiden letzten Konzerte unserer Südamerika-Tour.

Das erste Konzert war sehr gut besucht und es gab- wieder – viele junge Leute im Publikum. Nach begeistertem Applaus spielten wir zwei Zugaben und waren uns danach uneinig, ob man die Bühne unter Beifall verlassen sollte ( und somit dem Publikum die Möglichkeit geben soll, uns ehrenwert und unter Applaus zu entlassen) , oder ob man auf der Bühne ausharren sollte,  bis der letzte Klatscher verklungen ist . Die Diskussion darüber führten wir-ergebnislos- beim Frühstück und auch das nicht zum ersten Mal.

Das zweite Konzert –gleiches Theater, gleiches Programm- war ebenso gut besucht, bestand aber weniger jungen Leuten. Erstaunt waren wir, dass wir dennoch genau so begeistert, und zwar LAUT begeistert, beklatscht wurden. Diesmal haben wir 3 Zugaben gegeben, die letzte war die Air und jedes Mal, wenn wir sie spielen, stellt sich die Frage, ob wir dieses wunderbare Stück eigentlich doch nur für uns spielen, oder für das Publikum.

Einig sind wir uns darüber, dass wir in keinem einzigen Hotel guten Kaffee bekommen haben. Das ist nun an sich nichts außergewöhnliches, ABER wenn man sich auf dem Kontinent der Kaffee- Produktion befindet, dann schon. Obwohl wir sehr gute Hotels hatten, gab es den Kaffee immer aus dem 30-Liter Isolier-Zapf-Eimer. Man konnte das Bemühen erkennen, den Kaffee vom Teewasser zu unterscheiden, aber so richtig deutlich an Kaffee ist das auch optisch meistens traurige Ergebnis in der Tasse nicht ran gekommen. Es ist also ein seltsames Gefühl, dass wir uns alle auf den Kaffee zu hause freuen und nicht mit der Überzeugung zurück reisen, echten und guten Kaffeegeschmack bisher nicht gekannt zu haben.

Insgesamt sind wir mit der Tournee sehr zufrieden. Und auch wenn wir uns jetzt sehr auf zuhause freuen, gibt es doch niemanden, der sich nicht auf die nächste große Konzertreise freut! Allen Veranstaltern vor Ort, die uns so gut versorgt haben, möchten wir hier noch mal ausdrücklich danken! Bis zum nächsten Mal!

 

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Sonntag, 2. September

Für die Reise von Rio de Janeiro nach Frutillar mussten wir um 2.30 aufstehen. Ein paar Kollegen hatten sogar  durchgemacht, weil sie fanden, dass es schlimmer ist, nach zu wenig Schlaf aufzustehen, als sich gar nicht erst hin zu legen.

Unserem Ablaufplan konnte man eigentlich schon vorher entnehmen, dass der Tag kein Spaß wird und das hat sich ganz genau bestätigt. Drei mal fliegen, ungefrühstückt vor geschlossenen Cafes ausharren, etliche Sicherheits- und Zollkontrollen passieren, im Flugzeug Puppenstuben-Rationen zum Essen bekommen, im Flughafen für einen Kaffee mit Croissant soviel ausgeben, wie für ein Paar Schuhe………..das geht allen irgendwann gehörig auf die Nerven. Und dann passiert es uns Viel-Reisenden auch noch, dass wir die Zollbestimmungen auf die leichte Schulter nehmen und lernen: Chile ist streng mit seinen Einfuhrbestimmungen!

Für eine Kollegin hat das bedeutet, dass ein süßer Schnüffelhund auf dem Laufband ihren Koffer wegen einer Banane aussortiert hat. Und sie hatte noch Glück und konnte ihren Einfuhrzettel korrigieren in „ Mitführen verbotener Lebensmittel“.

Zeitaufwendiger war es für die beiden Kollegen, die nicht erschnüffelt wurden mit ihrem gefährlichen und von ihnen natürlich nur vergessenen Schmuggel-Gut: Einmal war es ein Apfel, das andere Mal ein Apfel und eine Marakuja und sie wurden erst bei der Röntgenkontrolle rausgefischt. Das war dann schon Dokumentenfälschung und erst 7 ausgefüllte Formulare und eine ausführliche Befragung später wurden die vorher gewogenen, verdächtigen Objekte vor unseren Augen mit einer armlangen Machete zweigeteilt und daraufhin weggeschmissen. Der Clou daran: einer der Äpfel war aus Chile!

Also waren wir ziemlich froh, als wir endlich im Hotel angekommen sind. Der Regen hat gar nicht gestört, es war nicht mal so kalt wie erwartet und begeistert waren wir von der würzig-frischen, kühlen Seeluft. Das Hotel mit dem Namen „ Salzburger“ sah ganz genau so aus und überhaupt konnten wir erstmal nicht ausmachen, was den Ort von einem See in Österreich unterscheidet. Man ist ja bei Reisen mit seinen Sinnen immer auf der Suche nach dem Anderen, dem Besonderen, um daraus ein Bild von einem bisher unbekannten Ort oder Land zu formen. Das war oder ist bisher in Chile gar nicht so leicht. Im 19. Jahrhundert sind viele Deutsche und Österreicher nach Chile ausgewandert und entsprechend kann man die Bauweise wieder erkennen, die Straßennamen zuordnen und verstehen, wieso es nicht nur einen „Kuchen- und Tortenladen“ gibt, sondern gleich drei an der Uferpromenade.

Nach den 14 Stunden Reise sind wir alle ins hoteleigene Restaurant gestolpert und dort haben  einen zum wegbrüllen lustigen Abend verbracht. Es war eine Mischung aus Situations-Komik und der Tatsache, dass viele von uns zu hysterischen Lachanfällen neigen, wenn sie besonders fertig sind. Geholfen hat dabei, dass wir via Beamer Videos von Charly Chaplin über André Rieu bis zu Igudesmann geschaut haben, mit leckerem Essen versorgt wurden und sowohl das hausgebraute Bier, als auch den Weinkeller ordentlich durchgetestet haben.

Auf Reisen ist es ja oft so, dass man sich nicht unbedingt für jedes Essen mit allen Kollegen verabredet, weil es zwischendurch auch mal ganz schön ist, alleine zu sein. Aber dieser schöne Abend bringt uns immer wieder zum Schmunzeln und wohl jeder freut sich, dass die Konzertreisen neben extremer Anstrengung auch ganz besondere Momente mit den Kollegen mit  sich bringen.

Der Konzertsaal  in Frutillar ist wirklich ein ganz besonderer. Er ist in den See gebaut und ein architektonisch sehr schöner Bau, ganz mit Holz verkleidet. Auch innen ist er auf dem neusten Stand und er hatte auf jeden Fall die schönste und dankbarste Akustik der bisherigen Reise. Gefreut hat uns, dass so viele junge Leute im Konzert waren. Danach hatte die Begeisterung am Künstlerausgang schon fast hysterische Ausmaße und manche Kollegen wurden so oft fotografiert, dass die Wartenden im Bus schon kalte Ohren bekommen haben.

Der heutige Tag hat uns dann mit klarer Sicht überrascht und endlich haben sich die Vulkane durch den Nebel und das Morgenrot geschält. Wunderschön! Ich schätze mal, dass wir zu 18t ungefähr 1000 Fotos geschossen haben. Das lag auch daran, dass sich die Stimmung durch die aufgehende Sonne wirklich im Minutentakt verändert hat und es war wirklich ein ganz großartiges Spektakel.

Die dann folgende Reise war für uns wie ein kleiner Spaziergang: nur EIN Flug von 2 Stunden und schwupps  waren wir in Santiago! Heute also ein Tag, an dem man von den Optionen „Ausruhen“, „ Essen“, „Üben“ „Sport machen“ und „Duschen“ tatsächlich allen nachgehen kann!

Rio de Janeiro

31. August 2012

Rio de Janeiro
30.8.2012, 23.00 Uhr

Gerade kommen wir von unserem Konzert in Rio de Janeiro im Teatro Municipal. Die Atmosphäre im Theater ist phantastisch, es ist ein Anfang des 20. Jahrhunderts entstandener Bau, der außen und innen zum Schwärmen anregt und dessen Saal uns mit einer offenen, schönen Akustik empfangen hat.

Entsprechend wohl haben wir uns beim Konzert gefühlt und die Zuschauer haben beim Applaus lautstark kommentiert, dass es ihnen gefallen hat.

Der gestrige Tag war ein reiner Reisetag, der um 9.3o mit der Abfahrt im Hotel in Bogota begonnen hat und, mit Umweg über Panama, um 01.30 Ortszeit im Hotel in Rio geendet hat.

Anstrengend war es vor allem, weil die meisten in Bogota die dünne Luft ein bisschen komisch fanden: Bogota liegt auf 2.600 Metern und weniger als 24 Stunden reichen nicht aus, um sich daran zu gewöhnen. Das Luftholen hatte etwas un-effektives, man hat eingeatmet und musste noch mal nachfassen, weil die Lunge mit der Menge an Sauerstoff nicht einverstanden war. Zum Glück ging es niemanden richtig schlecht deswegen, wir waren mehr verwundert und hätten auch mit mehr Zeit nichts annähernd Anstrengendes unternommen.

Bogota war noch mal ein Paradies für die Obstfreunde: Papayas, Marakujas, Totos, Grenadillen, Mangos, Ananas gab es in Unmengen überall auf der Straße und in den Restaurants. So, wie bei uns das Regal hinter der Bar-Theke mit Hochprozentigem vollgestellt ist, war es in Bogota ( und auch in Rio de Janeiro) voller Obst. Dargereicht wird es dann als Obstsalat oder als Saft und ist geschmacklich unschlagbar.

Hier in Rio konnten wir noch mal Sonne und Wärme tanken, es ist viel wärmer als wir erwartet hatten und einige haben die Chance genutzt, die Sport-Runde an die Copacabana zu verlegen und nach dem Laufen noch die phantastischen atlantischen Wellen zu testen.

Heute Nacht fliegen wir weiter nach Frutillar, diesmal wirklich in den Winter und wir freuen uns auf den dortigen Konzertsaal, der von allen Musikern, die schon mal dort waren, in höchsten Tönen gelobt wird.

Medellin-Bogota, 28.8.2012

28. August 2012

28.8. 2012, 10.00 Uhr am Flughafen Medellin

Gestern hatten wir unser erstes Konzert im Teatro Metropolitano. Die Akustik war gut, das Publikum begeistert und nach dem ersten Stück ( Händel Concerto Grosso) war dann auch das Licht auf der Bühne wieder auf einem Level, der das Lesen der Noten möglich gemacht hat. Nicht unerheblich, wenn man aus Faksimile-Nachdrucken spielt, in denen man sowieso Noten und Zufalls-Kleckser kaum unterscheiden kann.
Das Problem mit dem Licht gibt es oft: denn wir wollen das LICHT und nicht die dazu mitgelieferte Wärme, die das Cembalo verstimmt, den Kopf erhitzt und den Lack von der Geige brennt. Also ist es in der Anspielprobe immer ein ewiges Hin und Her, welche Strahler wohin und wie stark leuchten sollen. Diesmal war es dann so, dass die erste Lichteinstellung im Konzert nicht die der Anspielprobe war, so dass wir eine Art intuitives Auswendigspiel anwenden mussten, bis wir nach dem Stück das Licht wieder hochdrehen lassen konnten.
Das Konzertpublikum war altersmäßig ganz gemischt, es gab Eltern mit ganz kleinen Kindern, Studenten und auch alte Leute. Auffällig fanden wir, dass wir auf der Bühne so ein aktives Strahlen empfangen haben, breit gezogene Münder wo wir hinschauten, das ist eher ungewöhnlich und natürlich animierend.
Zugaben gab es zwei: einmal ein Fragment eines kolumbianischen Stückes, das extra für uns auf kleine Besetzung umgeschrieben wurde und bei dem uns sehr wohl das Schlagwerk und ein dreifacher Satz Musiker gefehlt hat. Aber Spaß gemacht hat es schon, so ein Flamenco-ähnliches Stück auf den Barockinstrumenten zu fetzen. Die zweite Zugabe war Bachs Air, und das kommt immer gut an.
Ab heute spielen wir dann alle Konzert mit Matthias Goerne und wir freuen uns, die beiden schönen Bach-Kantaten („Ich habe genug“ und „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“) fünf mal aufführen zu können.

 

Unser zweiter Tag in  Kolumbien.

Heute sind wir wirklich angekommen. Was gestern noch im Zeichen des Jetlags anstrengend und ermüdend war, fühlte sich heute wieder ganz selbstverständlich an:  Ein Frühstück zur umgerechnet normalen Frühstückszeit und ein ganz normaler Probentag mit sechs Stunden Probe.

Wie gestern wurden wir abgeholt und diesmal schon zum Konzertort gebracht, der uns mit einer weit besseren Akustik erfreut hat als die gestrige Proben-Dose. Vorher staunten wir noch, dass die vielspurige Straße vor dem Hotel, die sich kompliziert mehrstöckig in mehr als 4 Richtungen windet, von Joggern und Radfahrern belegt war. Wir erfuhren, dass an jedem Sonntag von 6 bis 13 Uhr ein ganzer Straßen-Ring durch Medellin autofrei ist. Schade, dass wir zur Probe mussten!

In der zweieinhalb-stündigen Pause machte sich eine kleine Gruppe auf Erkundungs-Tour und nur mühsam konnten wir einen total netten, hilfsbereiten Theater-Mitarbeiter davon überzeugen, dass wir ohne Führung ein paar Meter laufen können. Neben einer Straße, in der Autos aus dem Mittelalter repariert wurden, sahen wir jede Menge Staßenverkäufer, die in Plastikbechern fertig geschnittenes Obst anboten: unreife, gesalzene und mit Zitronensaft beträufelte Avocados ebenso wie gesalzene Mangos in Limettensaft. Sehr ungewohnt, sehr erfrischend, sehr lecker.

Die Betreuung ist ganz hervorragend, wo wir hinkommen, werden wir mit einem Tisch voller Getränke und vor allem : voller Obst empfangen. Manches haben wir noch nie gesehen, außer bei der letzten Kolumbienreise. Und nach jeder Probe ist alles neu aufgefüllt! Wir sind völlig begeistert.

Es macht Spaß, zu arbeiten, wenn man so gut versorgt wird und wir bedanken uns jetzt schon bei Adelaida, die alles für uns organisiert und offensichtlich Spaß daran hat, uns den Aufenthalt angenehm zu machen.

Südamerika-Tou…

25. August 2012

Südamerika-Tour August-September

Samstag, 25.August 2012, 14.30

Unserer Südamerika startet in Medellin ( Kolumbien) und der größte Teil der Gruppe ist gestern abend im edlen Hotel angekommen.  Nach überlanger Anreise galt es noch, eine Passüberquerung durchzustehen, die für den Busfahrer Alltag ist, uns aber durchaus vor Herausforderungen gestellt hat: wenig Schlaf, wenig Bewegung und viel klimatisierte Luft haben für empfindliche Mägen gesorgt, so dass alle froh waren, dass das Hotel auf Anhieb sehr zum Ausruhen eingeladen hat. Im überbreiten Bett können auch unsere großen Kollegen die Füße drinnen behalten, was in der Länge nicht möglich wäre.

Die erste Probe haben wir schon hinter uns, wir proben auf dem Unigelände und sind überrascht zu sehen, dass die Gebäude selber an allen Ecken und Enden mit öffentlichen Computern ausgestattet sind .

Die zwei Jahreszeiten, die Medellin hat, sind : Regen und Sonne. Bei konstanten ca 28 Grad. Gestern abend und heute früh ersteres, jetzt  knallt die Sonne vom Himmel.

Matthias Goerne, unser Sänger-Solist, und vier weitere Bläser sind gerade unterwegs und kommen heute abend an. Sie werden von uns ein bisßchen bemitleidet, weil wir wissen, was sie noch vor sich haben.

Jetzt geht’s auf zur zweiten Probe heute!